Mein Körper

Sei mein Freund
sei mein Feind
wenn meine Seele in Dir weint

Sei alles
nur nicht aufgegeben
denn wir müssen miteinander leben

Sei nichts
sei mein Ende
sei der Anfang in der Fremde

Sei alles
sei mein Fundament
wenn das Leben seinen Schmerz anschwemmt

Sei am Tanzen
sei am Leben
lass meine Gedanken in Dir schweben

Sei jung, sei alt
sei ungebunden
denn eines Tages sind wir eins

und dann verschwunden

Rhena Tabea Adam
Juli 2008

Mein Körper

Der Dilettant

In der Masse verloren und unerkannt
aber dafür wenigstens frei
In all meinem Tun ein Dilettant
doch meine Zweifel zieh’n vorbei

Erfolg erziele ich damit zwar nicht
und kein Loblied wird erklingen
Doch Leistung bedeutet auch immer Verzicht
Spaß würde mir das nicht bringen

Ja gut, ich bin farblos und uninteressant
nur wem soll ich was beweisen
Ich tu’s halt mit Liebe, nicht mit dem Verstand
und niemand muss mich dafür preisen

So ist mein Leben unspektakulär
dennoch bin ich zufrieden
Ich hab‘ alles und brauche auch nicht mehr
Hab‘ mich für die Freiheit entschieden

Rhena Tabea Adam
August 2014

Der Dilettant

Aalglatt

Ich hab‘ mich optimiert
das dann fotografiert
Auf Facebook hochgeladen
doch mein Herz trägt Schaden

Denn Bilder können trügen
diese Fotos – alles Lügen
Ich seh‘ toll aus, ja ich weiß
doch ich zahl‘ einen hohen Preis

In eine Form bin ich gepresst
die mich glücklich scheinen lässt
Kann kaum noch atmen, mich bewegen
doch ich muss mein Image pflegen

Aalglatt gestriegelt und poliert
mein Lächeln ist mühsam antrainiert
Darf nicht aus dem Herzen sprechen
sonst würde ich zusammenbrechen

All die Schmerzen, all den Dreck
ignorier‘ ich und schau‘ weg
Hab‘ nicht den Mut zu mir zu stehen
ihr sollt mich nur strahlen sehen

Rhena Tabea Adam
Juli 2015

Aalglatt